Theater für die Nachbarschaft – Neues Community Projekt und Präsentation am Theater im Depot | 11.07.2026

Im neuen Projekt „Dortmund Nordstadt Community Curating“ am Theater im Depot erforschen Bewohner*innen der Nordstadt gemeinsam neue Formen kultureller Teilhabe. Am Samstag, den 11. Juli, um 18 Uhr präsentiert die Forschungsgruppe ihre ersten Ergebnisse bei freiem Eintritt. Das Projekt versteht sich als wesentlicher Programmbaustein für die Öffnung des Theaters hin zur direkten Nachbarschaft.

Wer entscheidet eigentlich, welche Geschichten auf Bühnen erzählt werden? Welche Künstler*innen werden eingeladen? Und warum fühlen sich manche Menschen in Kulturinstitutionen zuhause – andere jedoch nicht? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigt sich seit Ende Mai eine neu gegründete Forschungsgruppe. Koordiniert von Ayşe Kalmaz – Autorin, Regisseurin und Prozesskuratorin aus Dortmund – stellt die Gruppe Beobachtungen, Interviews, Dokumentationen und Erkenntnisse aus den Begegnungen und Workshops der vergangenen Wochen vor.

Ein besonderer Programmpunkt ist eine literarische Begegnung mit der Dichterin Lütfiye Güzel. Gemeinsam mit den Teilnehmenden entwickelt sie eine performative Lesung, in der Auszüge aus ihrem Werk mit den Stimmen, Fragen und Erfahrungen der Teilnehmenden in Dialog treten. Sie eröffnet damit eine weitere künstlerische Perspektive auf die Themen Erinnerung, Zugehörigkeit und Stadtgesellschaft. Im Publikumsgespräch können Besucher*innen eigene Erfahrungen, Wünsche und Ideen einbringen und damit selbst Teil der weiteren Entwicklung werden.

Bereits tagsüber sammelt die Gruppe auf der Festmeile von Nordstadt Together – das Hafenfest mit der Aktion „Mokka together“ weitere Stimmen und Perspektiven von Bewohner*innen der Nordstadt, welche direkt in die Abendveranstaltung einfließen.

Die Veranstaltung richtet sich ausdrücklich auch an Menschen ohne Vorkenntnisse im Kulturbereich. Sie findet überwiegend in deutscher Sprache statt, einzelne Beiträge können auch auf Türkisch, Arabisch oder Englisch erfolgen. Bei Bedarf werden Inhalte zusammengefasst bzw. übersetzt.

Das Modellprojekt

In Partnerschaft mit dem Train of Hope e.V., der Stadtteil-Schule Dortmund e.V. und dem Migrantinnenverein Dortmund e.V. erkunden seit Anfang Juni Jugendliche, Mütter und weitere Bewohner*innen der Dortmunder Nordstadt die Kulturlandschaft der Region. Ziel des Modellprojekts ist es, Menschen, die bislang selten an Kulturprogrammen beteiligt werden, selbst zu Kurator*innen eines zukünftigen Kulturprogramms zu machen.

Bereits an den ersten Projekttagen hat sich die Gruppe in Workshops, Gesprächen und Straßeninterviews intensiv mit ihrem Stadtteil auseinandergesetzt. Ihre Erkenntnis: Viele Menschen wünschen sich Kulturangebote, die näher an ihren eigenen Lebensrealitäten sind. Eintrittspreise, fehlende Informationen und die Wahrnehmung, dass die eigenen Geschichten und Erfahrungen in Kulturinstitutionen kaum vorkommen, wurden vielfach als Hürden benannt.

Bei Besuchen von Kulturinstitutionen und -veranstaltungen ging es außerdem nicht nur um ästhetische Fragen, sondern auch um die Erfahrung kultureller Teilhabe. Die Gruppe diskutierte unter anderem darüber, wie es sich anfühlt, Kulturinstitutionen zu besuchen, wenn man als migrantisch gelesene Person kaum Menschen mit ähnlichen Lebensrealitäten im Publikum wahrnimmt. Gespräche mit Regisseur*innen, Dramaturg*innen und leitenden Personen aus Kulturinstitutionen und Kulturverwaltung rundeten die erste Recherchephase ab.

Nach den Sommerferien setzt die Gruppe ihre Forschungsreise unter anderem bei der Ruhrtriennale fort. Ziel ist es, bis Herbst 2026 gemeinsam ein Programm für das Theater im Depot zu entwickeln, das ab 2027 präsentiert werden und als Modellprojekt für mehr kulturelle Teilhabe und Community-Kuration in der Nordstadt wirken kann.

Der gesamte Prozess wird dokumentiert. Reflexionen, Interviews und Ergebnisse werden als Podcast sowie über die Kanäle des Theaters im Depot veröffentlicht werden.

Das Projekt wird ermöglicht durch den Diversitätsfonds NRW des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen sowie durch die LAG Kunst und Medien NRW und das Kulturbüro Dortmund.